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Letzte Ruhe in Halle-Neustadt

Artikel aus dem i-Punkt 04/2010 zur Diskussion um die Aufhebung des Schließungsbeschlusses für den Neustädter Friedhof

Als der Stadtrat 2008 die Schließung des Neustädter Friedhofes beschloss, dachte er, mehrere Probleme gelöst zu haben.

Der Einwohnerrückgang, vor allem aber das sich ändernde Bestattungsverhalten haben zu Schwierigkeiten bei der Finanzierung geführt. Mit einer Reduzierung der Flächen und der Konzentration von Bestattungen auf den verbleibenden 3 halleschen Großfriedhöfen, hoffte die Stadt vor allem das Problem der freien Zwischenflächen auf den Grabfeldern zu lösen. Für die Bürger hätte dies den Vorteil, dass die Kosten der Friedhöfe sinken, was zu geringeren Gebühren führt. Derzeit werden 68% der Kosten auf die vom Bürger zu entrichtende Friedhofgebühr umgelegt. Die Entscheidung war rein betriebswirtschaftlich, ethische Fragen oder Überlegungen, dass damit der größte Stadtteil seinen Friedhof verliert, blieben unbeachtet.

Doch in der Bevölkerung von Neustadt regte sich Widerstand. Zahlreiche Proteste und Anfragen an die Stadt führten dazu, dass die Verwaltung einlenkte und trotz Schließungsbeschluss, der Friedhofbetrieb weitergeht. Erdbestattungen sollen bis 2018 und Urnenbeisetzungen bis 2028 erfolgen können.

Auch bei der Wahl 2009 war der Friedhof ein wichtiges Thema. Viele Kandidaten sicherten zu, sich für die Weiterführung des Friedhofes einzusetzen. Auch DIE LINKE steht für die Fortführung des Friedhofsbetriebes in Neustadt.
Im Januar wurde beantragt, den Schließungsbeschluss aufzuheben. Die Stadtverwaltung empfahl abzulehnen, da sie wegen des Kompromisses keine Notwendigkeit für den Beschluss sieht.

Der Bürgermeister Dr. Pohlack lud Vertreter der Fraktionen ein, um den Standpunkt der Stadtverwaltung nochmals zu erläutern. In dem am 25.03.08 stattgefundenen Gespräch wurde vom Bürgermeister nichts Neues vorgetragen, auch keine Begründung der Ablehnung. Nimmt aber die Stadtverwaltung den Kompromiss ernst, dann hat die Beibehaltung des Beschlusses bis zum Jahr 2038 weder Auswirkungen auf die Gebühren noch auf die Kosten des Friedhofsbetriebes. Auch Investitionen sollen auf dem Friedhof Neustadt erfolgen.

Hofft die Stadtverwaltung vielleicht, dass die Neustädter ohne klare Beschlusslage verunsichert sind und ihre Angehörigen auf anderen Friedhöfen bestatten? Der Beschluss von 2008 zeigte Wirkung; 2009 gingen die Bestattungen in Neustadt um 20% zurück. Unsere Fraktion meint, dass man Menschen, die in der schweren Situation sind, ihre Angehörigen bestatten zu müssen, nicht verunsichern darf. Schon deshalb werden wir auf eine Aufhebung des Beschlusses drängen.