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Von der Silberhöhe in die Innenstadt

Das Familienzentrum „Schöpfkelle“ und die Citygemeinschaft luden zu ihren Wahlforen zur halleschen Oberbürgermeisterwahl ein.

Halle ist eine Stadt voller Gegensätze. Wer hier OB werden will, muss dem Rechnung tragen und nicht nur für die sechs Kandidaten zeichneten zwei Wahlforen an einem Tag unter diesem Aspekt ein sehr deutliches Bild. Es gibt eben keine Pauschallösungen für Halle, schon gar nicht wenn man die Silberhöhe und die Innenstadt gegenüber stellt. Mit dem Familienzentrum „Schöpfkelle“ und der halleschen Citygemeinschaft fühlten Interessensvertreter beider Stadtteile den Oberbürgermeisterkandidaten auf den Zahn.

Hohle Stellen gab es da bei Swen Knöchel jedenfalls nicht festzustellen – Der Kandidat der halleschen LINKEN weiß, wovon er spricht. Und zunächst ganz allgemein gesagt: „Es gibt nichts schöneres, als die Geschicke seiner Heimatstadt mit zu lenken“, meinte er. Und wenn es eben doch eine Pauschallösung für ganz Halle gibt, dann ist das die der Bürgerbeteiligung, egal in welchem Stadtteil. Das Zepter über Halle schwingen war gestern. Ein Oberbürgermeister, der zwischen der Stadt und ihren Einwohnern moderiert und Bürgerbeteiligung weiter ausbaut, wäre Swen Knöchel.

Damit ist der Drops freilich noch lange nicht gelutscht. Vor dem Hintergrund einer schlechten Haushaltslage der Stadt, stellt sich etwa für das Familienzentrum „Schöpfkelle“ eine existentielle Frage. Begegnungsstätten wie diese bereichern die hallesche Silberhöhe und letztlich stand die Zukunft des gesamten Stadtteils während des Wahlforums in der „Schöpfkelle“ im Mittelpunkt. Wird es die Einrichtung auch weiterhin geben? Wie kann die Silberhöhe zum Wohnen und Leben attraktiv gestaltet werden? Wie kommt man etwa dem Problem der Freitrinker und der damit verbundenen Vermüllung öffentlicher Plätze bei?

„Die Menschen hier brauchen Faktoren, die zum Wohlfühlen beitragen“, brachte es Swen Knöchel auf den Punkt. Der Erhalt der „Schöpfkelle“ und anderer sozialer Einrichtungen gehört da unbedingt dazu und wenn es mit ihm eins sicher nicht geben wird, dann ist das das Streichen freiwilliger Leistungen, ohne sich vorher an einen Tisch zu setzen und nach Lösungen zu suchen. Großes Potential für die Silberhöhe sieht Swen Knöchel zudem im Ausbau der Straßenbahnanbindung mit Anschluss nach Halle-Ammendorf. Vorstellen kann er sich auch ein integriertes Stadtteilkonzept, das die weitere Ausdehnung der die Silberhöhe umgebenden Eigenheimsiedlungen vorsieht. „Anhand der bestehenden Verkehrswege ist das machbar“, so der Oberbürgermeisterkandidat der LINKEN. In diesem Punkt kann man es natürlich auch wie sein Konkurrent von der CDU, Bernhard Bönisch, sehen und lieber nichts investieren, wo man „bald wieder zwischen den toten Augen von London ist“.

Dem Problem der Freitrinker ist letztlich nicht mit Verboten beizukommen, sagte Swen Knöchel. Er trinke im Übrigen auch öffentlich und nur weil er sich sein Bier im Straßencafé leisten kann, sei er kein besserer Trinker. Der Punkt sei vielmehr die mancherorts vorhandene Achtlosigkeit und dies sei wiederum ein soziales Problem. Für Swen Knöchel könnte es die Ausweitung der Citywache richten, in der sich der Sache Ordnungsamt und Polizei gemeinsam annehmen.

Szenenwechsel ins hallesche Maritim-Hotel, wo die Citygemeinschaft mit ganz anderen Fragen aufwartete. Konkret formuliert hieß das „Quo vadis Innenstadt?“ und für Swen Knöchel war das unter anderem mit der Frage verbunden, wie er als Oberbürgermeister Halle als Oberzentrum sichern würde. Einen richtigen Weg sieht er in der Einbeziehung des Umlandes und dem Ausschöpfen bereits vorhandener Potentiale. Etwa einer hervorragenden Ärzte- und Krankenhauslandschaft als wichtigen Aspekt für die ältere Bevölkerung oder der Universitäts-, Forschungs- und Kulturlandschaft Halles. „Der Handel ist ein wichtiger Teil der Innenstadt“, so der Oberbürgermeisterkandidat der LINKEN. Mehr Parkplätze brauche es dort indes nicht.

Schon eher das geplante Hermes-Center an der Dessauer Straße. „Bevor sie zum Einkaufen nach Peißen fahren, wäre das für viele Menschen eine Erleichterung“, meinte Swen Knöchel. Verabschieden müsse man sich hingegen von dem Gedanken, dass es in der oberen Leipziger Straße wieder einen Einzelhandelsstandort gibt. Vorstellbar wäre dort etwa ein Wohngebiet.

Es war das Publikum, das in der „Schöpfkelle“ wie bei der Citygemeinschaft viele weitere Fragen an Swen Knöchel und seine Konkurrenz um das Amt des halleschen Oberbürgermeisters richtete. Und schließlich ließ der Kandidat der LINKEN etwas durchblicken, was es braucht als Stadtoberhaupt und mit Optimismus ganz gut bezeichnet ist. „Man kann Aufgaben nicht einfach abwickeln sondern muss füreinander einstehen“, sagte er nach einer möglichen kommunalen Insolvenz gefragt. „Halle ist über 1200 Jahre alt und hat schon schlimmere Situationen überstanden als das Schuldenloch 2011“.

Katja Müller